8°+ Projekte




LE VERNISSAGE
-clemens hausch & begoña martínez santiago-


Le Vernissage arbeitet mit dem Konzept der Memes - minimale Einheiten kultureller Information - die sich genauso wie Gene replizieren, ohne irgend ein anderes Ziel zu verfolgen, als sich eben selbst fortzupflanzen; gute Ideen sind nicht wirklich effektiv, wenn sie nicht zur selben Zeit gute Replikanten ihrer selbst sind.

Le Vernissage thematisiert die Verbreitung dieser Memes, also Worte und Ideen, in gesellschaftlichem Kontext, im speziellen, im Umfeld einer Vernissage. Die Dynamik der oftmals zentralen Vernissagen-Komponente Party, die nicht selten die Ausstellungsstücke in ihrer Wichtigkeit während solcher Ereignisse überschattet, wird offiziell in die Mitte gerückt, und dient doch nur als Interface um das eigentliche Ziel zu erreichen, die Zirkulation von Ideen im zwischenmenschlichen Raum.
Um das zu erreichen wird der Veranstaltungsraum von digitalen Kameras überwacht, deren Bild von Computern ausgewertet und auf Bewegung untersucht wird. Verschiedene Bewegungsgrade in Raumbereichen, die naturgemäß unterschiedlich genutzt werden, zu verschiedenen Zeitpunkten des Abends deuten auf die sich verändernde Partysituation hin und werden in - nach Inhalt gruppiert - Samplesets übersetzt. Über ein Array von Lautsprechern werden diese Sprachsamples - Aussprüche von Künstlern und Denkern - wiedergegeben, die mit der Partydynamik korrespondieren und die Situation gleichsam kommentieren wie auch wieder manipulieren - mit dem Ziel, sich in die Unterhaltung der Anwesenden einzuschleusen - Meme, die sublim in die Gedanken eindringen, schließlich in die Gespräche. Ein Feedbackloop zwischen Partygästen und Computer entsteht.

- www.levernissage.co.nr -



WORTVERSTÄRKER
-barbara larndorfer-


Am Anfang der Installation Wortverstärker stand die Faszination für die unterschiedliche Wirkung positiver wie negativer Worte. Ein Kompliment oder Lob oder eine Beschimpfung, verbale Verletzungen haben enorm Einfluss auf mein persönliches Wohlbefinden. In Wortverstärker bilden Eprouvetten beschriftet mit einem Wort, gefüllt mit Wasser und darin Samen gepflanzt, den Raum. Wer sich durch die Installation bewegt liest das Wort, hört es und stellt intuitiv seine gedanklichen Assoziationen mit dem Begriff her, seine eigene persönliche Bedeutung und Interpretation begründet auf seine Erfahrung. Der Mensch der die Installation betritt soll zum Verstärker und Verursacher der Schwingungsmuster werden, die mit einzelnen Wortbedeutungen verknüpft sind.

Diese Theorie begründet sich auf die Beschäftigung mit dem Medium Wasser. Gemeint ist, dass es nicht egal ist was man spricht oder denkt, da es seine Wirkung zeigt - es sich auf uns auswirkt. Wasser ist dabei das Medium, es ist der Metaorganismus in allem lebendigen, der Emotionen und Informationen überträgt.

Wortverstärker ist ein pseudowissenschaftliches Setting, ein Experiment und Beobachtungsstation für Interessierte, die hier in Ruhe ausprobieren können wie negative und positive Wortbedeutungen auf sie selbst wirken. Nimmt man sich Zeit und geht durch das Raster aus Worten, ergeben sich spontane Kombinationen und Bedeutungen die an ein Orakel erinnern. Im Endeffekt kann man sich aussuchen, welche Stelle man betritt. Die beschrifteten Keimlingstationen sind Orientierungsfaden und auch Indikatoren für eine bestimmte Atmosphäre.

Die Installation wird durch eine auf Max MSP und Jitter programmierte Steuerung gelenkt, die die Bewegungen des Menschen aufnimmt und auswertet. Sie reagiert je nach dem wie der Nutzer sich bewegt, mit den Audiosamples der Worte. So werden Effekte angesteuert die mal dichter, mal leiser mal laut sind - wie ein Klangteppich der durch die Bewegung des Nutzers gesteuert wird. Unterstützt wird die Wirkung durch Videos von bereits in diesem Setting gekeimten Samen. Die zufällige oder die bewusste Art und Weise der eigenen Bewegung steuert die Abfolge der Worte und Wirkung von Bild und Klang.



SPUR REFLEKTION
-nikolaus hartmann-


Jeder Festkörper besitzt einen Klopfton, der auf einer Resonanzstruktur beruht, die von den geometrischen Abmessungen (Randbedingungen) und den Festigkeitsparametern abhängt. Dieser Resonanzstruktur ist immer noch eine Feinstruktur überlagert, die im Gegensatz zur Grobstruktur nicht von den Abmessungen, dafür aber von der mechanischen Spannung im Material und von der Temperatur abhängt und als (mechanischer) Materialklang in Erscheinung tritt. Die verschiedenen Stoffe sind in Form einer Holz-, Glas- und Metallplatte installiert und verfügen über einen differentierten örperschallspeicher, welcher mit Hilfe einer Feedback Aufnahmetechnik, Klangspuren einer akustischen Befragung, die aus den Platten gewonnen wurde, wiedergibt.

Mit den verschieden gefärbten, sich stetig ändernden Klangskulptur ist es jedem Besucher möglich seinen eigenen Klangraum, in dem von den 3 Platten aufgespannten Raum, zu erfahren / konstruieren, wie auch die verschiedenen Materialschattierungen der Klänge zu mischen und zu modulieren.



YOUR PRIVATE SCULPTURES
-florian gruber-


YOUR PRIVATE SCULPTURES ist ein installativer Hybrid aus intuitiver Performance, sensorischer Datenerfassung und sinnlicher Wahrnehmung. Der Benützer wird visuell, akustisch und taktil eingebunden. Ein Spiel mit diesen drei Arten der Wahrnehmung fordert einerseits die Motorik unseres Körpers und andererseits unser Wahrnehmungsvermögen auf eine intuitive und spielerische Art.

Visuell wird dem projezierten Bild seine Zweidimensionalität entzogen und es erhält einen skulpturalen Charakter. Die entstehenden Klangskulpturen verschieben einander im quatrophonischen Feld. Der Benutzer selbst wird durch den "MARKSHAKER" zu einer wandelnden Klangskulptur, welche sich ausschließlich dem Träger erschließt. Die Erfahrbarkeit dieser drei Formen ist der zentrale Aspekt in dieser Installation. Ein Videobeamer projeziert organische und geometrische Formen von der Decke des Raumes auf den Fussboden. Eine Videokamera, die am Ende des Raumes installiert ist steht widerum in einem Winkel von ca. 90° zu dem sich ständig verändernden Lichtkegel. Entscheidend ist, dass das generiert Bild am Fussboden nicht von der Kamera erfasst wird. Der erzeugte Lichtkegel dient als Trigger für die quatrophonische Soundgenerierung. Begibt sich nun ein Besucher in diesen Lichtkegel wird das Bild in unterschiedlichen Farben und Formen auf den Körper geworfen. Die Position und Farbe dieser "Licht?ecken" wird von der Kamera erfasst und mittels MAX MSP ausgewertet. Die Parameter werden in dieser Signalkette für die bereits erähnte quatrophonische Soundgenerierung eingesetzt. Ein weiterer technischer Bestandteil der Installation ist der "MARKSHAKER". Ein sich auf einer geformten Metallplatte sitzender Körperschallanreger, der mittels Schnürsystem auf den Rücken geschnallt wird, überträgt ein eigens dafür generiertes Signal auf den Körper des Benützers. Um das am Fussboden sichtbare Lichtfeld sind 4 Lautsprecher positioniert.



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